Edgar Schwab im Porträt

„Früher habe ich immer sehr aggressiv gespielt. Schnelle Partien im Helmut Bartsch-Stil.“ Das habe sich heute gelegt, so Edgar Schwab, der am 1. Februar 2008 zum Ehrenmitglied des Schachclub Forchheim ernannt wurde.

Da seine Eltern, die ursprünglich aus Gurschdorf bei Freiwaldau im Sudetenland stammten, nach dem 2. Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden, erblickte Edgar Schwab am 17. April 1947 das Licht der Welt im fränkischen Streitberg. Als achtes von neun Kindern wuchs er in der für das Militär errichteten Barackensiedlung auf. Ihm zur Seite auch seine älteren Brüder Helmut und Roland, die mit ihm zusammen vom Vater Karl (1907-1967) das Schachspiel erlernten. Der war während des Krieges in Hamburg in der Howaldtswerft Schiffbauschlosser gewesen, bevor er später in Forchheim in der Produktion der Folienfabrik an den Maschinen arbeitete. In Streitberg gab es dank des Engagements des Schachfreundes Ludwig Bächle eine kleine Schachszene, in der sich auch Fritz Hübel, Strasser und Prof. Schinkel tummelten. Es wurden privat so manche Partien bis in die späte Nacht gespielt. „Da mussten wir als Kinder immer ruhig sein und durften uns nicht rühren,“ erinnert sich Edgar Schwab, der als erster dem Vater in einer der vielen jährlichen Familienmeisterschaften eine Niederlage beibringen konnte.

1956 zog die Familie Schwab nach Forchheim um, und Edgar, der bereits drei Jahre Volksschule in Steitberg hinter sich hatte, kam dann in das Zentralschulhaus. Edgar kam erst mit 20 Jahren zum organisierten Schach, in die Schachabteilung des VfB Forchheim. „In meiner jugendlichen Sturm- und Drangzeit hatte ich vorher keine Lust in einem Verein Schach zu spielen..“ Edgar Schwab spielte mit seinem Bruder Roland von Beginn an in der 1. Mannschaft, zusammen mit Walter Hüttl, Hans Jörg Matheiowetz, Gerold Jellinek, Eduard Spenger, Karl Lohnert, Rudolf Fischer, Franz Lotter und Helga Sorg. „Meine ersten drei Wettkämpfe konnte ich gewinnen.“ Die Premiere, so erinnert sich Edgar Schwab nach Jahrzehnten noch genau, sei in Neustadt/Aisch gewesen. „Mein Bruder und ich, wir waren die Jüngsten. So etwas wie eine Jugendgruppe gab es damals nicht. Ich erinnere mich noch an unseren Abteilungsleiter Gerold Jellinek, der fast die Hälfte seiner Partien schlicht auf Zeit verloren hat.“

In den Zeiten zweier konkurrierender Schachverbände (Bayerischer Schachbund und Schachverband Bayern) spielten viele Forchheimer nicht nur beim „Jahn“ oder dem „ATSV“, sondern auch beim SC Waischenfeld. „Das hatte der umtriebige Helmut Bartsch eingefädelt. Pulvermüller Kaspar Bezold wollte in seinem Heimatdorf das Schachspiel fördern. Da gab es dann immer Brotzeit umsonst. Nebenbei wurde auch viel Karten gespielt.“ In diese Zeit fällt auch eine Anekdote, in der der inzwischen verstorbene Erich Scherbaum die Hauptrolle spielt. „Wir waren mit dem Auto nach Bad Aibling zum Silbernen Pokal-Turnier unterwegs. Berthold Bartsch, Erich Scherbaum und ich zelteten am Chiemsee, und Erich, ein bis zuletzt überzeugter Junggeselle, verliebte sich unsterblich in eine Zeltplatz-Nachbarin. Berthold und ich fuhren dann weiter nach Jugoslawien und machten dort Urlaub, und Erich fuhr später mit dem Zug nach Forchheim zurück, leider blieb es nur bei einem einseitigen Urlaubsflirt.“

Rund 40 Jahre hat Edgar Schwab als Spieler keinen Mannschaftskampf ausgesetzt. Von der Ersten in die Zweite, und jetzt in der Dritten, selbst als sein Bruder Roland schon längst den Weg zum SK Zirndorf gefunden hatte, blieb Edgar Schwab auch als Mannschaftsführer immer in der Pflicht. Die Gründung des Schachclub Forchheim 1977 hat er hautnah erlebt. „Wir hatten schon lange Zeit diskutiert. Hauptsächlich ging es um finanzielle Fragen.“ Als „Macher“ entpuppten sich Helmut Bartsch, Walter Hüttl und Hans Jörg Matheiowetz. „Das Spiellokal in Buckenhofen hatte ich organisiert. Ich bin herumgefahren und habe gefragt. Im Gasthaus „Zur Sonne“ bin ich dann fündig geworden. So schlecht, wie heute manche reden, war es gar nicht. Wir hatten den kleinen Raum, konnten aber notfalls auch auf den Saal im ersten Stock ausweichen.“ Damals seien es sowieso nicht mehr als 20 Schachspieler gewesen. „Wir hatten lange Jahre nur eine Mannschaft, und nicht einmal eine Nachwuchstruppe. Bei der Gründung waren fast alle dabei. Mehr waren wir nicht.“

Aber nicht nur dort wurde auf 64 Feldern gespielt. Auch im Café Schmitt am Paradeplatz ging es tagsüber hoch her. „Dort habe ich meine Christl kennen gelernt. Sie hat dort bedient.“ Stammgäste waren Baptist Pieger, Helmut Stammler und Hartmut Hörl. Abends ging es ins „Big Ben“ in der Holzstraße. Zwei Jahre kümmerte sich Edgar Schwab um den Schachnachwuchs (1983-1984). „Das war damals nicht so groß wie heute. In meiner Gruppe waren Stefan Lang, Markus Schattulat und die Barthelmann-Brüder Klaus und Benno.“ Endspiele und Partieanalyse standen auf dem Programm, in dem auch Hans Jörg Matheiowetz eine Rolle spielte.

„Danach war ich beruflich stärker eingespannt und konnte keine großen Ämter übernehmen.“ Nach seiner Lehrzeit als Werkzeugmacher bei Siemens in Erlangen (1961-1965) und drei Jahren bei der Fa. Ebersbächer in Esslingen, in denen er europaweit Montageaufträge ausführte, studierte Edgar Schwab in Nürnberg Maschinenbautechnik und bildete sich dann später zum Elektronik-Techniker fort (1977). Der Weg führte ihn zurück zu Siemens-Reiniger, aus denen die Medizintechnik-Sparte entstand. „Einmal installierten wir Geräte im Präsidentenpalast von Saddam Hussein in Bagdad. Das war ein Erlebnis.“

Die letzten fünf Jahre vor seiner Altersteilzeit war Edgar Schwab in Forchheim in der Angiographie tätig und dort für Prüfanleitungen zuständig. Mit 57,5 Jahren ging es in die Freistellungsphase der Altersteilzeit, und mit 60 in den vorzeitigen Ruhestand in dem er nun wieder mehr Zeit fürs Schachspiel hat. 1987-1992 prüfte Edgar Schwab die Kasse, bis er 2006 die umfangreiche Aufgabe des Schatzmeisters übernahm.

Autor: Udo Güldner