Schach-Ausstellung

Eine kleine Kulturgeschichte der Schachfiguren

Einen kleinen Einblick in die Geschichte und den Wandel der Schachfiguren bietet die Ausstellung des Privatsammlers Heinz Lämmel aus Rückersdorf im Nürnberger Land.

Gemeinsam mit dem Schachclub Forchheim e.V. engagiert sich die Sparkasse Forchheim, der für Ihre Unterstützung großer Dank gebührt. Zudem werden Schach-Karikaturen des international renommierten Jules Stauber (Schwaig b. Nürnberg) als Multimedia-Präsentation vorgestellt. Ernstes und heiteres nebeneinander...

Dem Besucher eröffnet sich eine fremde Welt aus Springern, Läufern und Königen. Auch wer die Schachregeln nicht kennt und damit nicht Schach spielen kann, der wird an der Formenvielfalt und der historischen Bedeutung der Objekte seine Freude haben. Vom mittelalterlichen Schachspiel mit Figuren aus Bein (Knochen) oder Elfenbein über zierliche und fein gearbeitete Stücke aus der Neuzeit bis hin zu abstrakten Bauern oder Damen aus dem 20. Jahrhundert. Es ist alles dabei.

Aber auch die Bildende Kunst kommt nicht zu kurz. Beispiele berühmter Gemälde und Zeichnungen, die das Schachbrett und seine 32 Besatzer zum Thema haben, gibt es die Menge.

Schach gibt es seit etwa eineinhalbtausend Jahren. Seine Ursprünge sind unbekannt, allerdings gibt es darüber viele Legenden und Theorien. Die ältesten erhaltenen Schachfiguren sind fast ebenso alt.

Die Araber waren es, die das Schachspiel, wahrscheinlich über Spanien, nach Europa brachten. Dort erfuhr es eine schnelle Ausbreitung bis nach Skandinavien.

Die Menschen im Mittelalter waren von einer großen Spielleidenschaft besessen; Schach aber war vor allem das Spiel des Adels. Es sind zahlreiche bildliche Darstellungen überliefert. Die auf uns gekommenen Schachfiguren befinden sich heute nahezu alle in Museen; einige berühmte Einzelfiguren werden in der Ausstellung in Bildern und Repliken vorgestellt. Immerhin gehörte es zur Ausbildung eines Ritters, sich im "Königlichen Spiel" zu üben und das strategische Element zu verinnerlichen.

Die gezeigten Originale stammen aus der Neuzeit. In den letzten Jahrhunderten sind in manchen Nationen verschiedene Typen von Schachsets entstanden. In Deutschland sind es vor allem die Figuren im „Selenusstil“, benannt nach dem Herzog August von Braunschweig und Lüneburg, der unter seinem Pseudonym Selenus auch der Verfasser des ersten deutschen Schachbuchs ist. Fanden sich die frühen Sammlungen hauptsächlich in sogenannten Kuriositätenkabinetten von Fürsten, übernimmt ab dem 18. Jahrhundert das Bürgertum, wie in vielen anderen Bereichen, die Führung in allem, was mit Schach zusammenhängt.

Mit den Kaffeehäusern, die jetzt zahlreich gegründet werden, entstehen Orte der Begegnung und des Gedankenaustausches für den gebildeten Bürger. Jetzt entstehen auch die ersten Schachklubs in den großen Städten wie Paris, London, Wien, Berlin u. a.

Das berühmte Schachbild von Johann Erdmann Hummel ("Die Schachpartie", 1818/19) hält die Erinnerung an den ersten deutschen Schachklub in Berlin (1803) fest. Im Zuge der Handelsbeziehungen und Eroberungen der Europäer entstehen auch in Asien und Afrika originelle Schachspiele, meistens für den europäischen Export bestimmt. Auch dazu werden in der Ausstellung Beispiele gezeigt.

Waren es in früheren Zeiten vor allem Handwerker, die als Holzschnitzer und Drechsler Schachfiguren entwarfen, beschäftigen sich ab dem Dadaismus (ab 1916) berühmte Künstler wie Marcel Duchamp mit dem Thema. Aus der Zeit des Weltkrieges und der Gefangenschaft werden einige Unikate vorgestellt, z. B. das sogenannte „Laufer Schach“, das ein Kriegsgefangener mit einfachsten Mitteln angefertigt hat. Neben dem Schwerpunkt der Figurenentwicklung werden auch einige Beispiele aus dem Bereich der Bildenden Kunst gezeigt.

Die Ausstellung in der Sparkasse Forchheim kann vom 29. Juni bis 14. Juli 2006 in der Schalterhalle zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.