Johannes Zwanzger in Turin (27.5.)

Turin 2006 WCCC

Gestern war „Jonny“ sehr erfolgreich. Die Partien kann man inzwischen bequem im Online-Viewer ansehen.
Vielen Dank an Konni Scheller, der die Hompeage um diese Funktion erweitert hat!
Hier der Bericht von Johannes:

Jonny in Hochform – heute gelingen ihm zwei überzeugende Siege. Der erste Leidtragende ist wieder ein italienisches Programm, …

… nämlich „Chiron“ von Ubaldo Farina, der in der ersten Runde immerhin Spike ein Remis abgenommen hat und somit sicher nicht zu unterschätzen ist. In einer Königsindischen Variante kommt Jonny mit Raumvorteil aus dem Buch. Chiron weiß mit der Position nicht viel anzufangen und agiert dementsprechend planlos. Jonny verbessert seine Position langsam und bläst dann mit 18. b4 zum Angriff, wonach die schwarze Stellung sehr schnell zusammenfällt.

Beim Nachspielen wundert man sich vielleicht über einige Züge, z. B. warum Chiron auf 22. Tab2 seinen Bauern auf b7 nicht einfach mit 22. … Lc8 deckt. Aber hier sind Computer am Werk und die sehen halt, dass das auch nichts mehr geholfen hätte: Weiß spielt einfach 23. Sb4 und die Drohung 24. Sc6 bricht Schwarz das Genick.

Auch Jonnys 32. c5 gefolgt von dem spektakulären 33. Se6! mag einem Menschen unnötig kompliziert erscheinen, Computer sehen die Pointe in Bruchteilen von Sekunden: falls Schwarz mit 33. … fxe6 Pferdesalami produziert, gewinnt Weiß einfach mit 34. fxe6 Le8 35. e7+ Lf7 36. e8=D Lxa2 37. Lxc5.

Die zweite Partie gegen „ParSOS“ beginnt mit einer Damenindisch-Variante, in der Schwarz nach 12. … c5 meines Erachtens bereits ausgeglichen hat. Etwas überrascht hat mich Jonnys 15. … g6, aber ein ernsthafter Fehler ist das wohl nicht und kann auch durchaus als Prophylaxe ausgelegt werden. Schlimmer sieht da schon 17. dxe5 von ParSOS aus, denn durch die Zerstörung der Bauernstruktur am Damenflügel verpflichtet sich Weiß praktisch, den Schwarzen mattzusetzen, da die langfristigen Vorteile bei Schwarz liegen.

Allerdings ist nicht zu erkennen, wie das bewerkstelligt werden soll, und auch ParSOS findet keinen Weg. So kann Jonny einfach den Druck auf die weißen Schwächen verstärken und im 27. Zug geht der erste Bauer über Bord. Dann geht es flott zu Ende, bei 33. … g5 sieht sich Jonny schon mit über drei Bauern im Vorteil. ParSOS kann der Idee Sf8-g6-f4 nichts entgegensetzen und wenig später gibt sein Autor, Rudolf Huber, mit dem ich übrigens mein Hotelzimmer in Turin teile, die Partie auf. Wir werden uns sicher trotzdem weiter gut vertragen…

Turin06 Naiditsch- Anand

Da die erste Partie relativ schnell zu Ende war, hatte ich auch endlich einmal Zeit, etwas länger bei der Schacholympiade zuzusehen:
Die deutschen Herren mussten heute gegen Indien antreten. Am Spitzenbrett traf Arkadij Naiditsch auf die Nummer zwei der Welt…

Diese endete als erste mit einem Remis. Ich bin beiden dann nachgelaufen und hoffte, vielleicht etwas bei der Analyse zusehen zu können. Es sah eigentlich auch ganz gut aus, sie hatten sich schon ans Brett gesetzt, da fiel ihnen offenbar ein, dass man die kritischen Phasen auch schnell im Kopf durchgehen kann – und standen wieder auf…

Der Wettkampf endete übrigens mit einem 3:1 für Indien. Wenig besser erging es den deutschen Damen, die eine 1:2-Niederlage gegen Lettland hinnehmen mussten.

Turin06 Deutschland – Lettland

Da heute Samstag war, gab es richtig viele Zuschauer.

Turin06 Zuschauer

Morgen (Sonntag) ist bei der Computer-WM Ruhetag und alle Programmierer werden eine Exkursion mit anschließender Weinprobe machen. Den nächsten Bericht gibt es dann erst vom Montag.“

Hier die Partien zum Nachspielen:
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